Uwaldpflanzen
Wer zum ersten mal einen nährstoffarmen Regenwald betritt, ist oft beeindruckt und enttäuscht zugleich. Da sind keine Vögel zu sehen, keine Affen schwingen durch die
Äste, nirgends eine Schlange, ein Jaguar oder ähnliches. Auch die Pflanzenpracht entspricht nicht der erwarteten Vielfalt. Alles erscheint gleichförmig grün und düster, denn nur wenig
Licht dringt durch das dichte Blätterdach. Eine unheimliche Stille herrscht. Nur ab und zu kreischt irgendwo ein Affe oder ein Vogel und verstärkt dann eher noch das Gefühl der Einsamkeit.
Es ist kein Problem, im Regenwald spazieren zu gehen. Am Boden ist es zu dunkel, als daß
hier noch viel wachsen würde. Einige junge Bäume warten im Dämmerlicht darauf, daß
einer der alten Bäume umstürzt. Innerhalb kürzester Zeit schiessen sie
dann in die Höhe, um als erster den Platz an der Sonne zu erreichen.
Wer es nicht schafft, stirbt ab und hat umsonst viele Jahre hindurch bei
100 % Luftfeuchtigkeit und 1 % des auf die Kronen einstrahlenden Lichtes gewartet.
Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, haben sich die Würgerbäume etwas besonderes einfallen lassen: sie wachsen von oben nach unten.
Ihre Samen keimen auf den Ästen großer Bäume. Von dort aus wachsen die
langen Wurzeln am Stamm entlang abwärts, bis sie im Boden Halt gefunden haben. Der Wirtsbaum wird nun
immer enger umschlossen (erwürgt), bis er abstirbt.
Ein neuer Baum ist entstanden, der innen natürlich völlig hohl ist.
Auch die zahlreichen Lianen wachsen auf diese Weise von oben nach unten, töten aber nicht ihren Wirtsbaum. Sie benötigen ihn als Stütze. Sogar viele Blumen und Farne wachsen auf großen Bäumen.
Hier haben sie genügend Licht und das Regenwasser enthält viele wichtige Nährstoffe, die im Boden fehlen. Die Bromelien z.B. entwickeln einen großen Trichter aus ihren Blättern, in dem sie Regen sammeln. Daraus filtern sie die Mineralien. Auch aufgefangener Staub und Blütenpollen werden zersetzt, ebenso die Exkremente von Insekten und anderen Kleintieren, z.B. von Fröschen.
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