"An alle Völker der Erde" von Davi Kopenawa Yanomami


Ich bin Yanomami, Sohn meines Volkes. Wir wollen leben, wie Ihr es wollt, denn wir sind auch ein Volk. Wir wollen auf unserem Land leben, wir wollen in Frieden leben.

Die Regierung respektiert uns nicht. Sie denkt so an uns, als seien wir Tiere. Wir haben das Recht, unsere Rechte zu verteidigen. Ich habe viele Dinge zu sagen, über die ich nachgedacht habe. Ich bin ein Yanomami.

Wir Yanomami haben gedacht, daß der Weiße Mann gut für uns sei. Jetzt sehen wir, daß dies die letzte Invasion in indianisches Land ist. Alle anderen wurden bereits besetzt. Sie nehmen es uns weg.

Wir benutzen kein Geld, Schuhe, Kleidung und wenige Yanomami verstehen, was geschieht. Die Regierung hat uns überrascht. Jetzt beginne ich zu verstehen. Die Regierung kennt unsere Art zu leben und zu denken nicht. Wir haben auch keinen Einblick in die Art des Denkens der Regierung. Die Regierung versteht nur das Geldgeschäft. Unsere Art und Weise zu denken, beruht auf dem Land.

Die Flüsse, die Fische und die Wälder schreien um Hilfe, aber die Regierung weiß nicht, wie sie zuhören kann.

Sie sagt, daß wir des Hungers sterben werden, wenn sie die Goldminen schließt. Aber ich sage, daß wir Hungers sterben werden, wenn die Regierung nicht die Goldwäscherei stoppt. Wenn die Regierung die Goldwäscherei stoppt, werden wir Süßkartoffeln pflanzen, Bananen, Yams, Taro, Papaya, Pupunha-Früchte, Zuckerrohr und dann wird niemand Hungers sterben. Wir Yanomami wollen nicht mit unserer traditionellen Lebensweise aufhören. Da wir unsere Sprache und unser Land noch nicht verloren haben, kämpfen wir heute.

Wir Yanomami sterben an Krankheiten, Malaria, Grippe, Durchfallerkrankungen, Geschlechtskrankheiten, Masern, Windpocken und noch anderen Krankheiten, die die Indianer niemals vorher kannten und die von den Goldwäschern von außen hereingebracht wurden,. Diese Krankheiten können wir nicht heilen, Schamanen können sie nicht heilen. Schamanen können auch keine Schußwunden heilen. Schamanen können indianische Krankheiten heilen, aber die Krankheiten der Weißen können wir nicht heilen.

... Sie (die Goldwäscher) versuchen einen Zwiespalt unter den Indianern zu sähen. Zeca Diabo hilft dadurch, daß er den Indianern Nahrung und Kleidung gibt, dadurch , daß er ihnen beibringt, wie man arbeitet, wie man Gärten anlegt, wie man Reis pflanzt und erntet, so daß die Yanomami sich daran gewöhnen, für die Weißen zu arbeiten. Aber ich denke, es ist nicht gut, daß sie den Indianern beibringen, wie man arbeiten muß. Wir Indianer wissen schon, wie man arbeitet; während vieler Jahre wußten wir, wie man pflanzt, wie man den Wald reinigt und wie man das Unterholz für die Gärten schneidet. Die Yanomami sterben nicht an Hunger, sie sterben nur an Krankheiten. Sie haben alles, um zu überleben, wo keine Goldwäscher sind.

Der Weiße Mann hat keinen Respekt vor der Natur, er weiß nicht, daß sie gut für ihn ist. Er muß von uns lernen.

Wir wollen, daß die Weißen dabei helfen, unser Land zu verteidigen, um unser Leben zu verteidigen. Ich, Davi Kopenawa Yanomami, möchte, daß die Weißen mit uns lernen, wie eine bessere Welt gemacht wird.




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