Wenn trotzdem viele Menschen in den Amazonaswald ziehen, liegt dies an strukturellen und politischen Bedingungen:
die ungerechte Landverteilung (in Brasilien besitzt 1% der Bevölkerung etwa 40% des Landes), der verstärkte Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft, durch den viele Menschen arbeitslos werden und gescheiterte Umsiedlungs- und Entwicklungsgroßprojekte, die die Leute in den Wald drängen.
Um eine Agrarreform zu umgehen, arbeitete beispielsweise in den 70er Jahren die brasilianische Regierung zusammen mit der Weltbank zwei große Projekte aus, um arme landsuchende Bauern aus den Krisenregionen in das Amazonasgebiet umzusiedeln.
"Land ohne Menschen für Menschen ohne Land" hieß das Motto.
Zuerst wurde eine 5.400 km lange Straße in den Urwald gebaut, die Transamazónica, an der entlang die SiedlerInnen Grundstücke bekamen. Wegen der schlechten Böden konnte dieses Land höchstens drei Jahre genutzt werden, dann mußte neues Land gerodet werden. Den hungernden SiedlerInnen hat das nichts geholfen, der Waldverlust aber ist sogar auf der Weltkarte zu sehen.
Ein ähnlicher Fehlschlag war in den 80er Jahren das 500-Millionen-Dollar-Projekt Polonoreste, die Besiedlung des Amazonasgebietes Rondonia. Innerhalb von fünfzehn Jahren wurde aus dem Urwaldland mit 111.000 EinwohnerInnen ein brennendes Areal mit einer Million Menschen. Vier Fünftel der Neuankömmlinge bekamen nicht einmal Land zugeteilt.